Amnesty International Libyen-Koordinationsgruppe

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Libyen-Koordinationsgruppe

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Wichtige Ereignisse in Libyen

Quellen: Fischer Weltalmanach, Nahost-Jahrbuch, Geschichte griffbereit, ai-Jahresberichte, Auswärtiges Amt

1200-1000 v.Chr. Phönizische Gründung von Sabratha, Oia (Tripolis) und Leptis Magna an der west-libyschen Küste (karthagischer Kultur- und Handelsraum): spätere Region „Tripolitanien".
631 v.Chr. Griechische Gründung von Kyrene und weiteren Städten an der ost-libyschen Küste (griechischer Kultur- und Handelsraum): spätere Region „Cyrenaica".
146 v. Chr. Rom zerstört Karthago: Tripolitanien gerät unter römischen Einfluss; das Königreich. Kyrene gelangt durch Erbfall an Rom.
193-211 n. Chr. Roms Kaiser Septimius Severus fördert seine libysche Heimatstadt Leptis Magna.
395 n. Chr. Reichsteilung: Tripolitanien fällt an das lateinische Westrom, Cyrenaica an das griechisch-byzantinische Ostrom.
455-534 Herrschaft der germanischen Vandalen in Tripolitanien.
534-642 Justinians Rückeroberungen bringen neben Cyrenaica auch Tripolitanien vorübergehend unter byzantinische Herrschaft.
642-645 Eroberung der Küstenregionen durch die moslemischen Araber, nur langsame Arabisierung der berberischen Bevölkerung.
11. Jahrhundert Erneuter Einbruch arabischer Beduinen: stärkere Arabisierung Libyens und Ende der christlich-antiken Stadtkultur, Tripolis wird islamische Provinzhauptstadt.
1551 Eroberung Libyens durch die türkischen Osmanen.
1551-1912 Osmanische Herrschaft
1711-1835 De-facto Autonomie unter der Dynastie der Karamanli in Tripolis; Piraterie Haupteinnamequelle des Landes; nach Aussterben der Karamanli wieder direkte osmanische Verwaltung, schwache Garnison.
1835 Senussi-Orden in Mekka gegründet.
1911 Italien beginnt Eroberung Libyens, nach anfänglichen Rückschlägen ab 1922 unter Mussolini Bekämpfung des libyschen Widerstandes mit dem Ziel einer italienische Siedlungskolonie.
1916 Die Senussi vertreiben mit türkischer und deutscher Hilfe die Italiener.
1923-31 Italien besiegt in langwierigen Kämpfen die Senussi.
ab 1929 Siedlungstätigkeit italienischer Kolonisten.
1934 Zusammenfassung von Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan als Libyen.
1940 Annexion Libyens durch Italien.
1941-43 Libyen Kriegsschauplatz im 2. Weltkrieg: Tobruk zwischen Alliierten und Rommels Afrikacorps hart umkämpft.
1943-51 Brit.-franz. Militäradministration.
1947 Libyen wird UN-Treuhandgebiet.
1949 UN beschließt die Unabhängigkeit.
1951 Unhängigkeit des Königreichs Libyen unter Idris al-Senussi; Abtretung von Militärbasen an die USA (Tripolis) und Großbritannien (Tobruk) für 20 Jahre.
1959 Erste Erdölfunde in der libyschen Wüste: Der Ölboom führt zu partiellem Reichtum und sozialen Problemen; die pro-amerikanische Politik der königlichen Regierung (im Sechstagekrieg 1967 Unterstützung Israels) findet zunehmende Kritik in Bevölkerung und Militär.
1963 Schaffung des Zentralstaats.
1964 Die britischen und US-Stützpunkte werden aufgehoben.

01.09.1969 Sturz der Monarchie und Errichtung einer Republik unter Oberst Gaddafi (Bund Freier Offiziere): Libysche Arabische Republik.

Die Führung hat zunächst ein zwölfköpfiger Kommandorat unter Führung Gaddafis. Leitlinie: Freiheit, Sozialismus, Einheit.

1970 Räumung der amerikanischen und britischen Basen und Ausweisung von 30.000 italienischen Siedlern. Verstaatlichung der Erdölunternehmen, Banken, Versicherungen.
11.06.1971 Gründung der Einheitspartei "Arabische Sozialistische Union" (ASU). Ein "Dekret zum Schutz der Revolution" bedroht jeden, der die Grundlage der Revolution in Frage stellt, mit Haft oder Todesstrafe.
1972 Durch das Gesetz Nr. 71 werden alle polit. Parteien und Organisationen verboten
15.04.1973 Programmatische Rede Gaddafis in Zuwara leitet die Volksrevolution ein.
1975 Entmachtung des Flügels unter Mahayshi.
02.03.1977 Proklamation der Volksherrschaft. Diese "Verfassungserklärung" ersetzt die Übergangsverfassung von 1969. Gaddafi trägt den offiziellen Titel Generalsekretär des Allgemeinen Volkskongresses. Die Exekutivgewalt wird auf Gremien des Volkes übertragen: Volkskongresse, Revolutionskomitees, Volkskomitees.
März 1979 Gaddafi legt sein Amt als Generalsekretär nieder, Nachfolger: Abdul 'Ati Obeidi.
Gaddafi bleibt de facto Staatsoberhaupt und nennt sich offiziell "Revolutionsführer". Stärkung der Revolutionskomitees.
März 1980 Beginn des Tschad-Konflikts.
1981 Die diplomatischen Beziehungen zwischen USA und Libyen werden eingefroren, da die USA Libyen mehrere terroristische Anschläge zur Last legt.
Anfang 1984 Brandanschläge, Beginn der militanten Auseinandersetzungen mit Islamisten.
17.04.1984 Aus Libyens Vertretung in London heraus wird eine Polizistin erschossen.
06.05.1984 Verhaftung eines NFSL-Mitglieds bei illegalem Grenzübertritt.
08.05.1984 Anschlag auf das Hauptquartier von Gaddafi in de Bab al-'Aziziyah-Kaserne in Tripolis durch Angehörige der "Nationalen Front für die Rettung Libyens" =NFSL.
13.08.1984 Unterzeichnung eines Föderationsvertrags und eines Abkommens über Sicherheit und Freizügigkeit mit Marokko.
05.04.1986 Bombenanschlag auf der von US-Soldaten beliebten Diskothek "La Belle", Westberlin. US-Luftangriff auf Tripolis. USA verhängen vollständiges Wirtschaftembargo wegen internationalem Terrorismus.
1987 Niederlage im Tschad-Konflikt.
12.06.1988 Der Allgemeine Volkskongress verabschiedet das "Große Grüne Dokument über die Menschenrechte im Zeitalter der Massen"
21.12.1988 Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug über Lockerbie, Schottland, tötet 270 Menschen.
01.01.1989 Beitritt zur Maghreb-Union
1989 Bombenanschlag auf eine französische Verkehrsmaschine. Absturz über Niger.
15.04.1992 Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Rüstungs- und Luftverkehrsembargo gegen Libyen, um die Auslieferung zweier Verdächtiger im Zusammenhang mit Lockerbie zu erzwingen.
27.11.1992 Erneute Aufforderung von USA, Großbritannien und Frankreich, die beiden Libyer auszuliefern.
15.11.1992 Kritik der Delegierten des Allgem. Volkskongresses an der Regierung von Abu Zid Omar Dourda (Hauptpunkte: Versagen in der Außenpolitik, unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten und Trinkwasser), den noch Bestätigung als Generalsekretär (Ministerpräsident), neuer Außenminister wird Omar Mustafa AI-Muntassir.
11.-13.10.93 Berichte über eine Militärrevolte in diesem Zeitraum werden von Gaddafi dementiert, von Personen aus dem Regierungsumfeld aber bestätigt.
11.11.1993 UN-Sicherheitsrat beschließt Verschärfung der Sanktionen.
2.-29.1.1994 Der Allgem. Volkskongress wählt Abdel Majid al-Kaud zum neuen Regierungschef.
03.02.1994 Der Internationale Gerichtshof (Den Haag) weist den Territorialanspruch Libyens am Aouzou-Streifen im Norden des Tschad zurück. Gaddafi erklärt am 04.03. den Konflikt für beendet. Eine UN-Mission überwacht den Abzug der libyischen Truppen aus dem seit 1973 besetzten Grenzstreifen (bis 30.05.).
19.04.1994 Zwei Flugzeuge der Libyan Arab Airlines landen mit Mekkapilgern in Saudi-Arabien.
01.09. 1994 Feiern zum 25. Jahrestag der Machtergreifung Gaddafis.
Ende Juli 94 Rd. 2000 Islamisten werden verhaftet.
14.08.1994 Ausweisung von weiteren 2000 Ägyptern.
Ende 1994 UN-Sicherheitsrat verlängert die Sanktionen. Folgen des Embargos: Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und weitere Engpässe. Die Kaufkraft des libyschen Dinars verfällt, die Reallöhne sinken um 30-50 %.
Libyen gibt Aouzou Streifen an Tschad zurück.
1997 Allgemeine Volkskongress verabschiedet Gesetz über Kollektivbestrafung.
2000 Zahlreiche afrikanische Einwanderer werden bei Straßenunruhen getötet.
31.01.2001 Einer der libyschen Verdächtigen des "Lockerbie Anschlags" wird von einem schottischen Sondergericht zu lebenslanger Haft verurteilt.
Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 verurteilte Gaddafi die Gewaltakte und akzeptierte ausdrücklich ein US-amerikanisches Recht auf Selbstverteidigung.
2003 Libyen übernimmt Vorsitz der UN Menschenrechtskommission.
Es werden weitgehende Privatisierungen beschlossen.
12.09.2003 Nach der Schuldanerkenntnis Libyens für das Attentat in Lockerbie hebt der VN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Libyen endgültig auf.
19.12.2003 Libyen kündigt an, sein Atomprogramm einzustellen uns alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören.
2004 Gaddafi wird in Brüssel empfangen. Amnesty International kann nach 15 Jahren das Land besuchen und veröffentlicht seinen Bericht: Time to make human rights a reality.
10.03.2004 Libyen unterzeichnet in Wien das so genannte Zusatzprotokoll zum Atomwaffen-Sperrvertrag. Damit gestattet die Regierung in Tripolis der Internationalen Atomenergie-Organisation umfassende Kontrollmöglichkeiten der nuklearen Anlagen des Landes.
USA nehmen – nach 25 Jahren Unterbrechung – wieder diplomatische Beziehungen zu Libyen auf. Alle Sanktionen gegen Libyen werden aufgehoben.
06. Mai 2004 Ein libysches Gericht verurteilt fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palestinensischen Arzt zum Tode. Sie waren beschuldigt, über 400 Kinder absichtlich mit dem Aidsvirus infiziert zu haben.
25. Mai 2006 Die USA streicht Libyen von der Terrorliste
24. Juli 2007 Die Schwestern und der Arzt werden freigelassen.
2007 Gaddafi besucht im Dezember offiziell Frankreich, Spanien und Portugal. Frankreichs Staatspräsident Sarkozy unterzeichnet mit Libyen Verträge von mehr als zehn Milliarden Euro
2008 Libyen ist ab Januar für 2 Jahre nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
02.03.2008 Auf der Tagung des Volkskongresses fordert Gaddafi, dass die Ministerien bis auf die Kernbereiche Äußeres, Verteidigung und Innere Sicherheit aufgelöst werden. Bedürftige Familien sollen eine monatliche Zahlung als ihren Anteil am Volkseigentum (Öl und Gas) erhalten. Der Bürger soll künftig - gegebenenfalls über selbst eingerichtete Bürgerkomitees - die klassischen Aufgaben der Regierung selbst erledigen und sich dadurch von staatlicher Bevormundung befreien.
14.08.2008 Libyen einigt sich mit den USA auf Entschädigungszahlungen für die Opfer von Lockerbie und des "La Belle"-Anschlags.
05.09.2008 Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice besucht Libyen. Rice reiste als erste Außenministerin der USA seit 55 Jahren in den nordafrikanischen Staat.
31.10.2008 Gaddafi reist nach Moskau. Russland hatte Libyen 3,3 Milliarden Schulden unter der Bedingung erlassen, dass das Land Waffen kauft und im Energiesektor mit Moskau kooperiert.
14.08.2009 Der US-Senator John McCain trifft Gaddafi in Tripolis und nennt ihn "Friedensstifter in Afrina".
01.09.2009 Gaddafi feiert mit großem Aufwand den 40. Jahrestag seiner Revolution. Außer dem serbischen Präsidenten Tadic nimmt kein europäischer Staats- und Regierungschef an den Feierlichkeiten in Tripolis teil.
10.06.2010 Der Schweizer Max Göldi wird in Tripolis aus der Haft entlassen. Er war im Juli 2008 wegen dubioser Anschuldigungen in Tripolis festgenommen worden, wenige Tage, nachdem Hannibal Gaddafi in Genf vorübergehend verhaftet worden war.
Das Ende des Gaddafi-Regimes:
17.12.2010 Die Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers in Tunesien ist der Anlass für Unruhen in Tunesien, die in eine "Jasminrevolution" münden. Die Unruhen greifen im Januar 2011 auf die Länder Algerien und Ägypten über.
15.02.2011 In Bengasi beginnen Demonstationen gegen Gaddafi, die von Polizei und Gaddafi-Anhängern gewaltsam niedergeschlagen werden.
26.02.2011 Die Vereinten Nationen beschließen Strafmaßnahmen gegen Libyen.
17.03.2011 Libyen-Resolution des UN-Sicherheitsrates über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen.
19.03.2011 Beginn der Luftangriffe auf libysche Truppen durch französische Kampfjets.
31.03.2011 Die NATO übernimmt das Kommando des Libyen-Einsatzes.
21.08.2011 Die Aufständischen rücken in Tripolis ein.
16.09.2011 Der Übergangsrat als Vertretung Libyens wird von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Vertretung Libyens anerkannt.
20.10.2011 Gaddafi wird auf der Flucht aus Syrte gefasst und kommt unter ungeklärten Umständen ums Leben.
23.10.2011 Erklärung der Befreiung des Landes (Ende der Herrschaft Gaddafis)

Weiterführende Quellen

Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Laender/Libyen.html

Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/themen/VWRFOP,3,0,Politische_Entwicklung_nach_der_Unabh%E4ngigkeit_Regionale_Kooperation_und_Integration.html

Bertelsmann-Stiftung: http://bti2003.bertelsmann-transformation-index.de/134.0.html

WELTUM Online Lexikon: http://www.weltum.de/weltum/themen/thema.php?thema_id=778