Amnesty International Libyen-Koordinationsgruppe

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Libyen-Koordinationsgruppe

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Presse in Libyen

8. Dezember 2010: Schließung der einzigen privaten Presseagentur in Libyen
AMNESTY INTERNATIONAL PUBLIC STATEMENT (englisch)

17. Februar 2010: AI-Pressemitteilung über die Festnahme von Medienvertretern
Die Festnahme von Medienvertretern wirft ein Licht auf die zunehmende Beschränkung der freien Meinungsäußerung. Vier Angestellte des Radiosenders "Good Evening Benghazi", deren Programm abgesetzt und die festgenommen worden waren, sind wieder auf freiem Fuß, offensichtlich nach Intervention von Saif al-Islam al-Gaddafi. Amnesty drängt die libyschen Behörden, die Sperrung des Senders aufzuheben und Medienmitarbeitern ein Arbeiten ohne Furcht vor Repressionen zu ermöglichen.
Seit dem 24. Januar 2010 werden außerdem einige websites blockiert, die sich kritisch zur libyschen Regierung äußern oder so sensible Themen wie Menschenrechte ansprechen. You Tube ist in Libyen nicht mehr zu empfangen.
Pressemitteilung englisch original

Februar 2010: Libyen schränkt die Pressefreiheit ein
Bericht der Organisation HRW (englisch)
Bericht der Organisation HRW (deutsch)

20. April 2009: Der rätselhafte Fall des Abdullah Ali Al-Sanussi Al-Darrat
Über die Umstände und das Datum der Verhaftung des libyschen Journalisten Abdullah Ali Al-Sanussi Al-Darrat ist wenig bekannt, und auch die Quellen widersprechen sich. Während manche das Jahr 1973 angeben, werden in anderen 1974 oder 1975 genannt. Sollte Al-Darrat noch leben, wäre er der älteste Gefangene auf der Welt; aber niemand weiß, wo er gefangen gehalten wird und ob er überhaupt noch lebt.
Der Algerianer Hamid Skif ist Journalist, Buchautor und Dichter. Als Opfer von Repressionen wegen seiner Schriften und seines entschiedenen Eintretens für die Meinungsfreiheit in seinem Heimatland kehrte er Algerien in den 1990er Jahren den Rücken und emigrierte nach Deutschland, wo er sich in Hamburg niederließ. Den vorliegenden Artikel hat er für den Weltverband der Zeitungen verfasst.
Artikel
Der Fall Al-Darrat ist symptomatisch für das Schicksal eines aus Gewissensgründen Inhaftierten, der von der Welt vergessen worden ist. In seinem eigenen Land ist es verboten, über den Fall zu sprechen. Seit dem Putsch, mit dem Oberst Muammar al-Gaddafi im September 1969 die Macht an sich riss, lastet auf Libyen bleischwer das Verbot jeder Form von Meinungsfreiheit.
Die meisten Beobachter vermuten, dass der Journalist schon vor langer Zeit verstorben ist, aber die Umstände seines Todes kennt natürlich niemand.
Der Fall Al-Darrat steht stellvertretend für das Schicksal, das Journalisten, die eine den Ansichten des Regimes zuwiderlaufende Meinung auszudrücken wagen, in "Jamahiriya" droht. Diesen Begriff mit der Bedeutung "Republik der Massen" hat der in seinen Zielen launenhafte Diktator selbst geprägt. Unter diesen Voraussetzungen wird uns das Rätsel im Fall Al-Darrat noch lange erhalten bleiben.
Nach Recherchen der internationalen Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen gehört Libyen zu den Ländern, in denen die Situation der Pressefreiheit sehr schlecht ist. Sowohl gedruckte als auch audiovisuelle Medien sind vom Regime abhängig. Kritik an der Führung Gaddafis wird nicht akzeptiert. Internet und Satellitenfernsehen stellen die einzigen Fenster zur Welt dar. Visa für ausländische Journalisten werden willkürlich ausgestellt.
Reporter ohne Grenzen (2. März 2007)

04. Oktober 2006: In Libyen darf man Allah kritisieren, nicht aber Gaddafi
Bericht "Reporter ohne Grenzen"

Die Situation der Schriftsteller in Libyen
In einem Interview gibt der libysche Schriftsteller Omar Abu al-Qasim al-Kikli Auskunft über die Situation der Schriftsteller in Libyen: die Literaturszene, die Leser, die Zensoren, die Tabus und die Einstellung der Regierung zur Kulturszene insgesamt.
Interview mit dem libyschen Schriftsteller al-Kikli

Buchempfehlung

Hisham Matar, IN THE COUNTRY OF MEN (englisch)
Hisham Matar, Im Land der Männer(deutsche Ausgabe)
In diesem Buch werden die Ereignisse in Libyen im Jahr 1979 aus der Sicht des 9-jährigen Jungen Suleiman erzählt. Der Junge begreift nicht, was um ihn herum vorgeht: Oppositionstätigkeit seines Vaters, Geheimpolizei, abgehörte Telefongespräche, öffentliche Hinrichtungen im Fernsehen - die grausame Wirklichkeit eines Regimes, das jede Opposition unterdrückt und Familien zerstört. Von den Erwachsenen bekommt er keine angemessene Aufklärung oder Unterstützung und wird schließlich von den Eltern nach Ägypten geschickt, wo er nicht mehr nach Libyen zurückkehrt.
Hisham Matar sagt, dass dies kein autobiographischer Roman sei, doch gibt es viele Parallelen zu seinem eigenen Leben. Sein Vater, Jaballah Hamed Matar, zunächst UN Diplomat, schloss sich später der Oppositionsbewegung an. Er "verschwand" im März 1990 in Kairo. Das letzte Lebenszeichen von ihm sind einige Briefe, die 1995 aus dem berüchtigten Abu Salim Gefängnis in Tripolis herausgeschmuggelt wurden.
Hisham Matar wurde 1970 in New York geboren und wuchs in Libyen auf. Als 9-Jähriger verließ er mit seinen Eltern das Land und hat es bis heute nicht wieder betreten. 2003 schilderte er gegenüber Amnesty International seine Gefühle über das Verschwinden seines Vaters und die ungeheure Last der Verantwortung.
Deutsche Ausgabe: Luchterhand-Verlag:
Matar-1
Matar-2

Hisham Matar, Geschichte eines Verschwindens
Roman
"Schlimmer als der Tod ist vielleicht das spurlose Verschwinden eines geliebten Menschen. Hisham Matar, dessen Vater vor zwei Jahrzehnten von libyschen Sicherheitskräften entführt wurde, erzählt in seinem neuen Roman von der Verschleppung eines arabischen Dissidenten – und davon, wie diese Entführung das Leben derjenigen, die zurückbleiben, für immer überschattet und verändert." (Luchterhand)
„Das Buch Hisham Matars ist ein ungeheuer eindringliches, leises beunruhigendes Buch über das Gehen auf unsicheren Grund. (…) Matar schreibt vorsichtig, elegisch, unblumig, kühl, fragend. Der Ich-Erzähler weiß nichts, ahnt viel, und mit ihm ahnt der Autor. (...) Ich glaube nicht, dass mein Vater tot ist, aber ich glaube auch nicht, dass er noch lebt.' Diesen Satz aus dem Roman hat auch Hisham Matar selbst über sein Leben und seine Vater-Hoffnung einmal gesagt. Von dieser Unmöglichkeit handelt dieses großartige Buch." Volker Weidermann / FAS (17.07.2011)

Originaltitel: Anatomy of a Disappearance
Originalverlag: Penguin UK

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87245-2
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungstermin: 25. Juli 2011

Infos des Verlages: Matar

Kristiyana Valcheva: Ich bin in der Hölle gewesen
Acht Jahre in libyscher Gefangenschaft - Eine Krankenschwester berichtet
Libyen, 1999: Ohne Vorwarnung wird die bulgarische Krankenschwester Kristiyana Valcheva zusammen mit vier Kolleginnen und einem palestinensischen Arzt von der libyschen Polizei verhaftet. Ihnen wird zu Unrecht vorgeworfen, 400 Kinder vorsätzlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Nach unzähligen Qualen wie Folter und Verkünden von Todesurteilen kommen sie 2007 frei.
Buch Valcheva

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